Heute Abend mache ich mal was für mich. Mein Mann geht mit einem Kumpel was trinken und ich haue mich auf die Couch und lese eines meiner Lieblingsbücher von Paulo Coelho, 11 Minuten. Das mache ich!

Die Kinder gehen immer um 19 Uhr ins Bett. Mein Mann hilft mir noch, die zwei Mädels fertig zu machen, dann verlässt er uns um 19.10 Uhr. Zeitgleich versuche ich mein acht-monatiges Baby ins Bett zu bringen. Der allerdings gluckst mich nur an. Er hat um 17 Uhr nochmal ein ausgiebiges Schläfchen gemacht und ist jetzt kein bisschen müde. 

Gerade will ich mit ihm auf dem Arm leise das Schlafzimmer verlassen, da höre ich meine zwei Mädels, sechs und vier Jahre, in ihrem Zimmer kichern. 

Sie wissen genau, dass ich alleine schwach werde und sie noch länger aufbleiben lasse. 

Dann, um 20.30 Uhr habe ich es endlich geschafft, den Kleinen in den Schlaf zu wiegen und beide Mädels mit einer Fantasiereise schläfrig zu machen. Sie gleiten jetzt bestimmt bald hinüber ins Reich der Träume. Ich gehe jetzt auf jeden Fall runter, um meinen Abend für mich zu beginnen.

Ich freue mich auf diesen Moment, wenn ich in Ruhe, alleine und ohne Unterbrechung auf der Couch liegen kann, mit meinem Buch in der Hand. 

Lesen kommt mit Kindern immer zu kurz. Früher habe ich abends im Bett gelesen. Jetzt fällt mir nach zwei Zeilen das Buch aufs Gesicht und ich merke es oft noch nichtmal vor lauter Müdigkeit. Hörbücher hören geht besser, aber nur mit dem Schlafmodus, den ich auf fünf Minuten programmiere. 

Noch schnell eine Tasse heißen Tee aufbrühen und dann ab ins Wohnzimmer. Ich betrete die Küche und sehe, dass mein Mann noch nicht das Abendessen weggeräumt hat. 

Okay, das mach ich jetzt noch schnell. 

Wir müssen hier ja morgen frühstücken können. Ich packe die ersten Teller und will sie in die Spülmaschine stellen. 

Aber Moment, die ist noch nicht ausgeräumt. Also schnell die gespülten Teller und das saubere Besteck zurück in die Schränke und parallel noch den Tisch abgewischt, die Pfanne gespült, die Müslischalen für den nächsten Tag auf den Tisch und ach ja, die Pausenbrotboxen müssen auch noch hergerichtet werden. 

Mit allen Handgriffen bin ich sehr schnell und geübt, Multitasking eben…

 Als ich fertig bin, ist es 21.00 Uhr. 

Jetzt noch kurz auf Toilette und dann ab auf die Couch! 

Doch im Bad sehe ich neben der Waschmaschine noch den Wäschekorb mit hoch aufgestapelter, frischer Wäsche stehen. Ich hatte heute schon mehrere Maschinen mit sauberer Wäsche in eben diesen Korb gestopft und das Aufräumen auf bessere Zeiten aufgeschoben. Die sind wohl jetzt gekommen. Außerdem stolpern die Kinder spätestens morgen früh über den vollen Korb. 

Ich lege in Rekordzeit Hemden, T-Shirts, Röcke, Kleidchen, Hosen, Unterhosen und Socken zusammen und lege alles zurück in den Korb.

Warum haben schon wieder acht Kindersocken keinen Partner? Da ist ganz schön viel zusammen gekommen in der letzten Woche. Die Mädels müssen sich ja auch gerade mehrmals am Tag umziehen und der Kleine saut sich beim Brei essen so dermaßen ein, dass ich für ihn drei Garnituren täglich brauche.  Es ist 21.25 Uhr. 

Jetzt aber schnell auf die Couch! Mittlerweile bin ich hundemüde und mein Kopf dröhnt. 

Die letzte Nacht war wieder ziemlich schlimm. Mein Kleinster wurde gefühlt 20 Mal wach. 

Ich betrete das Wohnzimmer und mich trifft der Schlag. Das darf doch nicht wahr sein: Der gesamte Esstisch ist übersät voll von Stiften, Spitzer-Abfällen, zerschnipselten Kunstwerken, Kneteresten und gebastelten Irgendwas. Mein erst kürzlich für Weihnachten gekauftes Geschenkpapier liegt in fein säuberliche Streifen geschnitten unter dem Tisch. 

Ich atme tief ein und aus. 

Ich räume und kehre alles auf. Als ich auf dem Teppich mit dem Besen nicht mehr weiter komme, hole ich den Staubsauger aus der Kammer. Es ist jetzt 22.15 Uhr. Soll ich lieber gleich ins Bett gehen? Nein, noch wenigstens 10 Minuten auf die Couch. Schon nur aus Prinzip. 

Gerade als ich auf der Couch liege – ich merke, dass ich vergessen habe, mir einen Tee zu kochen – vernehme ich aus dem Augenwinkel ein bläuliches Leuchten. Erst im zweiten Moment wird mir klar, was das ist. 

Und im dritten Moment ertönt es: Das schrille Geschrei aus dem Babyfon. 

Es ist mein kleiner Babyjunge, der gerade seine erste Mahlzeit der Nacht verlangt, oder Bauchweh hat, oder Zahnschmerzen, oder, oder…

Ich bin nicht genervt. Ich bin nicht traurig und schon gar nicht unglücklich. Ich bin einfach nur müde. Ich schalte das Licht und das Babyfon aus, lege mein Buch wieder zurück auf den Tisch neben der Couch – dieses Buch erinnert mich wenigstens immer daran, dass ich theoretisch lesen könnte. 

Und ich freue mich, dass ich endlich in mein Bett gehen darf, in mein weiches, gemütliches Bett zu meinem Baby, das mich wahrscheinlich wieder 20 Mal wecken wird. Stimmt eigentlich, Freude ist wahrscheinlich nicht angebracht. 


Dann freue ich mich eben auf den nächsten Abend, den ich nur für mich habe.

Geht’s dir auch manchmal so?

Interessant könnten für dich und deine Kinder auch unsere Fantasiereisen sein.

Lies hier weiter und erfahre mehr über dein Karma 🙂