Den Teil 1 der dreiteiligen Plagen-des-Alltags-Serie von LaTina habt ihr bestimmt schon gelesen. Jetzt geht es weiter mit Teil 2, der Mülldeponie.

Teil 2: Die Mülldeponie

Auch wenn Einkaufen ein Kreuz ist – es ist nichts im Vergleich zu dem, was dich erwartet, wenn Du etwas auf die Mülldeponie bringen möchtest.

Beim Einkaufen hast Du etwas, was Dein Gegenüber gerne haben möchte: Dein Geld. Dafür nimmt er in Kauf, dass Du schreiende Kinder mitbringst und ihm durch Deine Anwesenheit Arbeit bescherst.

Musst Du zur Mülldeponie, wendet sich das Blatt.

Du kommst nicht als Kunde oder als mündiger Bürger dort hin – nein, Du kommst als Bittsteller ohne Rechte. Du nimmst nix mit, Du bezahlst nix, Du entlastet niemanden– Du machst nur Arbeit und das – für Müll. Somit geht die Gleichung nicht mehr auf, zumindest nicht für die Herren in Orange.

Natürlich weißt Du, dass diejenigen dort nur arbeiten, weil du sie mit deinem Steuern finanzierst – aber oft weißt Du nicht, ob die Herren das auch wissen.

Als Müll-Laie bist Du ja noch weit davon entfernt, Dich beim Betreten oder Befahren der Deponie als Bittsteller zu fühlen.

Wie selbstverständlich öffnest Du den Kofferraum Deines Transportfahrzeuges um selbständig mit dem Entladen und Sortieren Deines Sperrguts anzufangen und siehst aus dem Augenwinkel, wie drei orange gekleidete Herren kampfbereit in die Hände spucken und mit sehr wichtiger Miene im Stechschritt auf Dich zustürmen.

Schnell wird klar: der erste Fauxpas war „selbstverständlich“ und der zweite war „selbständig“. Hier und jetzt wird Dir erklärt, dass du auf dem Holzweg bist.

Erstmal muss geklärt werden, ob Du das überhaupt darfst, Deinen Müll hier abladen.

Das geht nur, indem du den Herren der Deponie, exakt erklärst, was genau du wegwerfen möchtest. Mit fachmännischer Mine und kritischem Kennerblick erfährst du dann, wie Mülltrennung wirklich funktioniert – nämlich nur mit dem Wissen und der Unterstützung mindestens einer der anwesenden Mitarbeiter und auch nur dann, wenn Du bereit bist, unterwürfig die Anweisungen, schnell und ohne Zwischenfragen, zu erledigen.

Derweil stehen die anderen Kollegen daneben und schauen wichtig in Deinen Kofferraum – nicht, dass sich dort noch ein Teil des Inhaltes aus dem letzten Castor-Transport versteckt hält.

Um die Herren nicht noch mehr zu erzürnen und notfalls Gefahr zu laufen, mitsamt deinem Müll aus der Deponie zu fliegen, nimmst Du die Haltung eines kleinen Schulmädchens an.

Mit Pipsstimmchen und ordentlich Schiß in der Büx erfragst Du den Container in welchen Du dies oder jenes Teil versenken darfst. Wie gesagt, darfst. Dank des Großmutes deiner Stadt.

Ich bin mir sicher, dass die Angestellten einer Mülldeponie Strichlisten führen, wieviel Besucher sie tagsüber geläutert und gebrochen haben und ermitteln so den Mitarbeiter des Monats. Und ganz ehrlich, ohne die moralische Unterstützung meines Mannes, gehe ich freiwillig auf keine Mülldeponie mehr.

Anders ist das ja in den USA.

Zumindest dort, wo meine Schwägerin mit ihrer Familie wohnt. Dort sind die „Dumps“ so was, wie bei uns der „Graffelmarkt“.

Alte Ware wird hingestellt und wer das toll findet, darf es entweder durch seine Ware austauschen, oder auch einfach nur mitnehmen.

Als meine Nichte noch sehr jung war, hat sie durch diverse Besuche auf dem „Dump“ und den daraus resultierenden neuen „Geschenken“ eine hohe Verbundenheit zu dem Ort entwickelt. So hoch, dass sie es ohne Bedenken hingenommen hat, als meine Schwägerin es ihr scherzhaft weismachen wollte, dass sie auch einmal auf dem Dump gefunden wurde und, weil sie so hübsch war, gleich mitgenommen wurde.

Paradiesische Vorstellungen für deutsche Verhältnisse.

Fortsetzung in Form von Teil 3 folgt…

Hier lest ihr nach, was Mom-Shaming ist, wie ihr es erkennt und was ihr tun könnt.

Hör in den Glücksheldin Podcast rein und erfahre, wie du in der Krise gelassen bleibst.